
Wegen eines landesweiten Warnstreiks bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) müssen Eltern in Nordrhein-Westfalen heute mit teils erheblichen Einschränkungen in der Kinderbetreuung rechnen. Betroffen sind Einrichtungen in Trägerschaft der Awo, darunter nach Verbandsangaben 840 Kindertagesstätten und 519 offene Ganztagsschulen (OGS) an Grundschulen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen, um im laufenden Tarifkonflikt vor der nächsten Verhandlungsrunde den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen.
In den Kitas und Ganztagsangeboten kann es nach Verdi-Angaben zu Gruppenzusammenlegungen und temporären Schließungen kommen. Nicht alle Standorte sind gleichermaßen betroffen, da die Teilnahme am Warnstreik freiwillig ist und regional unterschiedlich ausfallen kann. In Köln, Bochum und Herford sind Kundgebungen der Streikenden angekündigt, mit denen Verdi die Tarifforderung unterstreichen will. Die Gewerkschaft verlangt monatlich 500 Euro brutto mehr für alle Beschäftigten; darüber hinaus fordert sie einen zusätzlichen Aufschlag von 300 Euro brutto, deren genaue Ausgestaltung in den vorliegenden Texten nicht weiter ausgeführt wird.
Das nordrhein-westfälische Familien- und Schulministerium verweist angesichts der Ausstände auf die Verantwortung der Träger und Einrichtungen vor Ort. Eltern sollten eng mit ihren Kitas und OGS-Angeboten in Kontakt bleiben, um aktuelle Informationen über Ausfälle, verkürzte Öffnungszeiten oder Notgruppen zu erhalten. Für Kinder, deren Eltern zwingend auf Betreuung angewiesen sind, können Träger nach eigenen Angaben Notbetreuungen organisieren. Familien werden angehalten, sich frühzeitig mit der jeweiligen Einrichtung oder, falls nötig, mit dem zuständigen Jugendamt über alternative Betreuungsmöglichkeiten abzustimmen.
Auch im Bereich der offenen Ganztagsschulen setzt das Schulministerium auf lokale Lösungen. In vielen Betreuungsverträgen seien Regelungen zu unvorhergesehenen Ausfällen wie Streiktagen hinterlegt, etwa zur Einrichtung einer Notbetreuung. Parallel zu dem Konflikt bei der Awo läuft ein weiterer Tarifstreit im kommunalen Nahverkehr. Dort sind für die betroffenen Beschäftigten derzeit keine neuen Warnstreiks angekündigt; für diese Gruppe steht nun die dritte Verhandlungsrunde an. Damit konzentrieren sich die aktuellen Arbeitskampfmaßnahmen im Land vor allem auf die sozialen Dienste der Awo und treffen unmittelbar den Alltag zahlreicher Familien.
Ein halbes Jahr nach einem schweren Brandanschlag auf die Stromversorgung im Berliner Technologiepark Adlershof hat die Polizei am Dienstagmorgen eine großangelegte Razzia gestartet. Im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft wurden insgesamt 18 Objekte durchsucht, ein Großteil davon in der Hauptstadt. Betroffen waren neben Privatwohnungen auch einschlägige Szene-Adressen wie die anarchistische Bibliothek Kalabalik in der Reichenberger Straße in Kreuzberg sowie ein linkes Hausprojekt in der Schererstraße im Wedding. Die Maßnahmen richten sich laut Generalstaatsanwaltschaft gegen „namentlich bekannte Beschuldigte“; Festnahmen oder Haftbefehle lagen nach bisherigen Angaben nicht vor.
Hintergrund der Durchsuchungen sind Ermittlungen zu einem mutmaßlich linksextrem motivierten Brandanschlag im September 2025. Damals waren ein Strommast und Starkstromkabel am Königsheideweg in Berlin-Johannisthal im Bezirk Treptow-Köpenick weitgehend zerstört worden. In der Folge fielen in der Region zeitweise der Strom aus: Rund 43.000 bis 50.000 Haushalte waren zeitweise ohne Versorgung, zudem waren etwa 1.300 Unternehmen im Technologiepark Adlershof betroffen. Für zahlreiche Tech-Firmen entstand nach Medienberichten ein Millionenschaden, einige Betriebe blieben bis zum 11. September von der Stromversorgung abgeschnitten.
In einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben hatten sich „einige Anarchist:innen“ zu der Tat bekannt. In dem Schreiben war von einem Angriff auf den Technologiepark und die dort ansässigen Firmen und Forschungseinrichtungen die Rede, darunter Akteure aus IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie. Die Generalstaatsanwaltschaft und das beim Landeskriminalamt (LKA) angesiedelte Ermittlerteam „Ermittlungsgruppe Spannung“ werten seit Monaten Spuren und Hinweise aus, um die Verursacher des Anschlags strafrechtlich zu identifizieren.
Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) verweist auf langjährige Erfahrungen mit der gewaltbereiten linken Szene. Die Sicherheitsbehörden kennten die Protagonisten des „harten Kerns“, betonte die GdP. Anders als Rechtsextremisten gingen diese nicht zur Passivität über, wenn rechtsstaatliche Maßnahmen ergriffen würden. Zugleich sei es „unglaublich schwer“, ihnen konkrete Brandanschläge wie die in Johannisthal oder Zehlendorf gerichtsfest nachzuweisen. Das LKA habe nun ausreichend ermittelt, um die aktuellen Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken; die Gewerkschaft äußerte die Hoffnung, dass die Razzien neue Beweise liefern und die Aufklärung des Anschlags auf die Berliner Strominfrastruktur voranbringen.