Porsche justiert Elektro-Strategie neu – Taycan-Kritik und 911-Versprechen

11.06.2026


Porsche schärft seine Elektrostrategie nach und zieht dabei eine selbstkritische Bilanz zum Taycan. Vorstandschef Michael Leiters sagte bei einer von „Auto Motor und Sport“ organisierten Diskussionsrunde mit Spitzenmanagern der großen deutschen Autobauer, der Sportwagenhersteller sei „offenbar zu schnell in die Elektromobilität eingestiegen“. Der Taycan, 2019 als erstes vollelektrisches Serienmodell der Marke gestartet und zuvor als Mission‑E‑Studie präsentiert, sei dem Markt womöglich voraus gewesen – die Kunden hätten das Potenzial des Fahrzeugs noch nicht vollständig würdigen können.

Leiters bezeichnete Porsche dennoch als „Pionier der Elektromobilität“ und verwies darauf, dass die Marke das Angebot an Stromern inzwischen ausgebaut habe. Neben dem Taycan sind mittlerweile auch Macan und Cayenne als vollelektrische SUV-Modelle im Programm. Während der Taycan zuletzt mit rückläufigen Auslieferungen zu kämpfen hatte, entwickelt sich der elektrische Macan laut von der Branche berichteten Zahlen deutlich dynamischer und übertrifft beim Absatz schon früh den Taycan. Der konventionell angetriebene Macan bleibt jedoch global betrachtet vorerst das volumenstärkere Derivat.

Autonomes Ziel von Porsche ist es nach den Worten von Leiters nicht, in der Elektromobilität über den Preis zu konkurrieren. „Klar ist, dass Porsche niemals die Kostenführerschaft und damit über bessere Preise den Markt gewinnen können oder wollen“, sagte er. Stattdessen müsse das Unternehmen „bessere, überzeugendere und emotionalere Produkte haben als alle anderen“. Investitionen in E-Antriebe will der Hersteller „ganz fokussiert, dort, wo es Sinn macht und der Kunde sich diese Technologie wünscht“ tätigen – ein Hinweis darauf, dass Porsche sein Portfolio je nach Segment und Käufererwartung unterschiedlich elektrifiziert.

Fest steht für Leiters, dass der Markenikone 911 eine rein elektrische Zukunft auf absehbare Zeit erspart bleibt. Der Sportwagenklassiker, der bei der AMS-Leserwahl „Best Cars 2026“ die Gesamtwertung gewann, werde nicht als vollelektrische Version kommen, bekräftigte der CEO. Im Publikum stieß diese Aussage auf deutliche Zustimmung; besonders erfreut zeigte sich laut Beobachtern Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef und Enkel des Firmengründers Ferdinand Porsche. Damit positioniert Porsche den 911 klar als traditionellen Verbrenner – flankiert von einem wachsenden, aber selektiv ausgebauten E-Portfolio, das stärker auf Nachfrage, Emotion und Alleinstellung als auf reine Stückzahl und Kostenvorteile zielt.

Hamburg investiert 1,2 Milliarden Euro in Neuaufstellung der BG Kliniken

12.06.2026


Die BG Kliniken und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) treiben eine umfassende Neuordnung der stationären Versorgung in der Hansestadt voran. Kern des Vorhabens sind zwei Neubauten und eine deutlich engere Verzahnung beider Einrichtungen, insbesondere in der Behandlung von Schwerstverletzten. Grundlage bilden Absichtserklärungen, die von Senat, Bezirksvertretern und Klinikverantwortlichen unterzeichnet und im Hamburger Rathaus vorgestellt wurden. Insgesamt sollen mehr als 1,2 Milliarden Euro investiert werden, finanziert aus Mitteln der gesetzlichen Unfallversicherung.

Herzstück des Projekts ist ein neuer Standort des BG Klinikums Hamburg auf dem Campus des UKE in Eppendorf. Das Haus zur Versorgung von Schwerstverletzten wird baulich mit einem geplanten Erweiterungsbau des UKE verbunden. In diesem UKE-Neubau sind unter anderem ein Krebszentrum sowie eine erweiterte Notfallaufnahme vorgesehen. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) verweist auf die erwarteten Synergien: Es gelte, Spitzenmedizin so zu organisieren, dass sie zugleich medizinisch führend und wirtschaftlich tragfähig sei – ein Vorteil nicht nur für Hamburg, sondern für den gesamten norddeutschen Raum.

Parallel dazu soll der bestehende Standort des BG Klinikums in Hamburg-Bergedorf grundlegend neu ausgerichtet werden. In einem Neubau mit rund 350 Betten sind ein neues Querschnittgelähmten-Zentrum, Einrichtungen für die Frührehabilitation und weitere Reha-Angebote sowie ein sportmedizinisches Zentrum geplant. Der Standort soll sich auf die Versorgung von Menschen mit Rückenmarksverletzungen und auf fachübergreifende Rehabilitation konzentrieren. Ergänzt werden die Strukturen durch ein medizinisches Versorgungszentrum mit Notfallangeboten. Das dortige Luftrettungszentrum und die Rettungswache bleiben nach den bisherigen Plänen bestehen.

Politik und Klinikleitungen sehen in der Verdichtung der Angebote an den zwei Standorten eine Stärkung der regionalen Versorgungslandschaft. Die Gesundheitsversorgung im Hamburger Osten soll ausgebaut, gleichzeitig der Eppendorfer Campus als Knotenpunkt für Spitzenmedizin, Forschung, Lehre und Weiterbildung profiliert werden. Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal spricht von optimalen Bedingungen für Fächer wie Unfallchirurgie, Traumatologie und muskuloskelettale Medizin. Zusammen mit Ausbauschritten in umliegenden Häusern, etwa der Zentralen Notaufnahme des Agaplesion Bethesda Krankenhauses Bergedorf, entsteht ein Netz zusätzlicher Kapazitäten für die wachsende Bevölkerung der Metropolregion.